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Deutsches
Ausgabe der Handwerkskammer Düsseldorf
Museum: Erlebnistour durch Küchen-
und Kochgeschichte
von Angelika Basdorf
"Stellen Sie sich eine Perlenschnur vor",sagt Carl-Werner Möller Hof zum Berge zur Begrüßung. "Wie Ihre Kügelchen reiht sich bei uns hier eine Küche an die andere." Die kleine Besuchergruppe steht ein wenig verloren herum. Sind 90 Minuten Führung nicht zu viel für Küchenmobiliar und -Inventar aus verschiedenen Epochen? Dass die sachkundigen Ausführungen zu den liebevoll in zwei Jahren zusammengetragenen Exponaten unentbehrlich sind, merkt man aber schon an der ersten Station des Rundgangs, einer Rauchfangküche aus dem Mittelalter. Und so spannt der gelernte Koch und Initiator des Museums von hier aus den Bogen zu den Trends der 1950er, 60er und 70er-Jahre.
"Guck mal, so was hatten wir früher auch!" ist ein Ausruf , den er wohl oft hört bei seinen Führungen, die er an verschiedenen Stationen mit kleinen Snacks für die Besucher noch schmackhaft macht. Wenn Möller erzählt, dann wird die erste Metallküche der Firma Sell von 1952 zu einem Lehrstück des Küchendesigns, ebenso das Modell 6006 von Siematic: Die erste grifflose Küche feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Wer weiß schon, dass die Verschiedenfarbigkeit der "Schwedenküche" dem Umstand geschuldet ist, dass Hersteller in den 50er- Jahren noch nicht in der Lage waren, bei Nachbestellungen den exakt gleichen Farbton zu liefern. Und die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Kühlschranks ist auch nicht uninteressant.
Andere Länder, andere Küchen: Österreich und die Schweiz sind komplett. Aus anderen Ländern und von anderen Kontinenten gibt es auch schon Typisches zu bewundern. Derzeit warten im Lager noch zehn Küchen auf ihren Aufbau und 150 Kisten mit Geschirr und anderen nützlichen und dekorativen Gegenständen rund ums Kochen und Essen aufs Auspacken. Diese Aufgaben übernehmen im "WOK-World of Kitchen Museum e.V." ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter.
Neben dem Vorsitzenden Carl-Werner Möller zählt der Verein acht Mitglieder und 16 Helfer mit unterschiedlichen Talenten, die in der riesigen einstigen Druckerei Wände hochziehen, Elektroanschlüsse verlegen oder die Exponate pflegen. Aber das Museum ist für den gemeinnützigen Verein nur Mittel zum Zweck. Seine Hauptaufgabe sieht er darin, jungen Menschen von der Vorschule bis zum Berufseinstieg das Thema Ernährung nahezubringen. Deshalb gibt es im Museum eine Schulküche und eine Bibliothek mit über 3.000 Kochbüchern aus aller Welt. Besonders den ganz jungen dürften die 30 Puppenküchen gefallen, die die Duisburgerin Margret Selmann bis ins kleinste Detail selbst gestaltet und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.
Von der Küche ins Esszimmer
Nicht nur die Kochkultur, sondern auch der Rahmen, in dem die Speisen verzehrt werden, gehört zum Inventar des Museums. Die Tische und das gesamte Ambiente in den Speisezimmer-Kojen sind so formvollendet und einladend arrangiert, das man dort gern Platz nehmen würde. Nicht dort, aber in einem eigens dafür konzipierten Bereich können Gruppen ihren Museumsbesuch mit einem Gourmet- oder Kuchenbüfett abrunden. Außerdem lädt das sogenannte Schloß-Cafe auch unabhängig von einem Museumsbesuch zum Verweilen ein. Und die Schlossküche kann für Feiern gemietet werden.
Carl-Werner Möller hat noch viele andere Ideen. Der Platz dafür ist da. Willkommen sind noch weitere ehrenamtliche Helfer - und natürlich jede Menge Besucher. Aber die werden ganz sicher kommen und wiederkommen, denn für all` die wunderbaren Küchengeschichten, die Möller erzählen kann, reicht ein Besuch nicht aus.
wok-museum.de
